Pestalozzi-Schule
  Kontakt    Impressum

Tiergestützte Pädagogik an der Pestalozzi-Schule

Seit über 30  Jahren ist der Einsatz von Tieren fester Bestandteil des Unterrichts an unserer Schule. Die Gestaltung des Unterrichts nach Prinzipien der tiergestützten Pädagogik beinhaltet alle Maßnahmen, bei denen durch den gezielten Einsatz von Tieren positive Auswirkungen auf das Erleben und das Verhalten unserer Schülerinnen und Schüler intendiert werden. Zusätzlich werden verschiedene Techniken aus den Bereichen der Interaktion und Kommunikation, der basalen Stimulation und der Lernpsychologie eingesetzt.

Im Laufe der Jahre haben Ziegen, Schafe, Hühner, Gänse, Hunde, Pferde, Meerschweinchen, Schildkröten und Fische die Lehrerinnen und Lehrer bei der Förderung der Schülerinnen und Schüler unterstützt. Zum jetzigen Zeitpunkt (2011) „arbeiten“ an unserer Schule Schafe, Hühner, Schildkröten und ein Hund als tierische Helfer im Unterricht in unterschiedlichen Klassen.

Auf basal-sinnlicher Ebene erfahren (schwerstbehinderte) Schülerinnen und Schüler ungewohnte Eindrücke (Geräusche, Gerüche, Wettereinflüsse, taktile Erfahrungen mit Fell, Federn, Wolle, Heu, Stroh usw.). Sie können mit den Tieren auf verschiedene Weise Kontakt aufnehmen (beobachten, hören, riechen, streicheln, füttern usw.). Der Umgang  mit den Tieren wirkt beziehungsstabilisierend und  fördert Regelakzeptanz, Selbstkontrolle, Empathie, Vertrauen, Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz. Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Kontinuität als unabdingbare Voraussetzungen bei der Haltung von Tieren werden gefordert und gefördert. Die Verknüpfung mit Bewegungsförderung bietet die Chance, die Kinder und Jugendlichen für körperliche Aktivitäten zu motivieren.

Der kontinuierliche Umgang mit den Tieren über einen langen Zeitraum (Jahresrhythmus) ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die konkrete Auseinandersetzung mit biologischen Themen wie Unterschiede und Ähnlichkeiten verschiedener Tierarten, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier, Fortpflanzung, Trächtigkeit, Geburt, Krankheit, Tod, Verwertung von Tieren und Tierprodukten usw. Die Verknüpfung mit Umweltbildung bietet das Potential, bei den Schülerinnen und Schülern  Umweltbewusstsein aufzubauen und sie zu nachhaltigem Handeln anzuleiten. So gehören die Schafe an unserer Schule zur Rasse der „Coburger Fuchsschafe“,  eine alte und seltene Schafsrasse, die vom Aussterben bedroht ist. Wir möchten mit der Haltung und Zucht dieser Tiere aktiv zum Artenschutz beitragen.

In der Berufspraxisstufenklasse mit dem Schwerpunkt „Tierpflege und Gartenarbeit“ bietet der tägliche Kontakt zu den Schafen und Hühnern, ihre Versorgung und die Pflege und Unterhaltung des Stallgebäudes, des Geheges und der Ausläufe allen Schülerinnen und Schülern unterschiedlichste Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten und ermöglicht authentische Arbeitserfahrungen. Die Versorgung der Tiere bietet im Rahmen der Berufsvorbereitung authentische Arbeitsfelder, in denen sich die Notwendigkeit der Arbeiten für die Schülerinnen und Schüler sozusagen „selbst erklärt“ und Konsequenzen eigenen Verhaltens oder auch von Fehlern unmittelbar erfahrbar werden. 

Einen besonderen Stellenwert in der Reihe der tierischen Helfer haben unser Therapie-Hund „Mágus“ und unser Therapie-Schaf „Hassan“. Hassan kam im letzten Frühjahr als Zwillingslamm  zur Welt, das von seiner Mutter nicht angenommen wurde und deshalb mit der Flasche aufgezogen werden musste. Natürlich war es für kleine und große SchülerInnen die Attraktion, wenn sie Hassan das Fläschchen geben durften! Jetzt ist Hassan ein erwachsener (mittlerweile kastrierter) Schafsbock, der  immer noch eine sehr enge Bindung zu Menschen hat. Er kommt an den Gehegezaun, wenn man ihn mit Namen ruft, lässt sich sehr gerne streicheln, kraulen und aus der Hand füttern. Sogar unsere jüngsten Schülerinnen und Schüler – knapp einen Kopf größer als das Schaf -  können ihn an Halsband und Leine über den Schulhof führen!

Mágus (mittlerweile der dritte Hund an unserer Schule) ist ein 4-jähriger Dalmatiner, der bereits als Welpe seine Hundeführerin (eine Kollegin unserer Schule) in den Unterricht begleitete. So lernte er schon früh die besonderen optischen und akustischen Reize im Schulalltag kennen, zu denen unter anderem laute Geräusche, Schreie sowie Rollstühle, Rollatoren und andere Fortbewegungshilfen gehören. Ein wesentlicher Teil seiner Ausbildung bestand in der Gewöhnung daran,  die eventuell auffälligen und unkalkulierbaren Bewegungs- und Verhaltensmuster der behinderten SchülerInnen  sowie  ungeschicktes Streicheln und Zupacken zu tolerieren bzw. zu ignorieren. Durch sein freundliches, ausgeglichenes, den Menschen zugewandtes  Wesen ist Mágus ein idealer Sozialpartner für unsere Schülerinnen und Schüler, der auf ihr Verhalten  unvoreingenommen und unmittelbar reagiert. An zwei Schultagen in der Woche ist Mágus in der Schule anwesend und begleitet in erster Linie den Unterricht in der Berufspraxisstufe mit dem Schwerpunkt „Tierpflege und Gartenarbeit“. In der „Gestalteten Freizeit“ haben die SchülerInnen der anderen Klassen Gelegenheit, Kontakt zu dem Hund aufzunehmen, mit ihm zu spielen oder ihn zu führen. Auf Anfrage besucht Mágus mit seiner Führerin auch den Unterricht in anderen Klassen bzw. wird gezielt zur Therapie von Angst vor Hunden bzw. Tieren eingesetzt. Darüber hinaus nutzen viele unserer nicht oder unverständlich sprechenden SchülerInnen  die Möglichkeit, über Sichtzeichen mit dem Hund zu kommunizieren, und ihn zu ihrer großen Freude diverse Kommandos ausführen zu lassen.

Support:
Alfried Krupp-Schulmedienzentrum